Game Faces powered by Blue

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Folge#44 mit Cord Neubersch und Frodo: „Spielsucht – die Dosis macht das Gift!“

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Folge Nummer 44 von „Game Faces powered by Blue”, dem Podcast über Gaming und alles was irgendwie damit zu tun hat. Heute geht es um Spielsucht. Schön, dass ihr wieder dabei seid und diesem wichtigen Thema Aufmerksamkeit schenkt. Cord Neubersch ist heute Frodos Gast und beantwortet mit fundiertem Fachwissen viele Fragen und räumt mit einigen Vorurteilen auf, mit denen die Branche zu kämpfen hat.

Hinter einer Sucht steckt immer ein Mangel. Also, dass ich irgendetwas brauche. Oder, wenn ich merke, das worauf ich mich gerade fokussiere, das tut mir gut, da erfüllt mich mit etwas.“

Frodos Fragen an Cord:

  • Spielst du privat auch Spiele?
  • Spielst du auch zusammen mit deinen Kindern?
  • Wie ist die Definition von Spielsucht?
  • Was sind Ursachen und mögliche Behandlungsformen?
  • Gibt es unterschiedliche Arten von Spielsucht? (Glücksspiel? Computerspielsucht? Internetsucht?)
  • Warum macht spielen süchtig?
  • Gibt es genetische Vorbelastungen, generell Menschen, die anfälliger sind?
  • Hat Spielsucht sich verändert? Online-Gaming?
  • Hat sich die Altersgrenze für Spielsucht verschoben? Werden Kinder heute schneller spielsüchtig?
  • Was hat Computerspielsucht oder stundenlanges endloses Videoschauen im Internet für Auswirkungen z.B. auf das Gehirn von Kindern und Jugendlichen?
  • Wo liegt der Unterschied zwischen viel trainieren und Spielsucht?
  • Was sind typische Symptome?
  • Welche möglichen Behandlungen gibt es?
  • Wie versuchst du auch auf “schwierigere” Themen aufmerksam zu machen, bzw. die Stigmatisierung abzuwenden?
  • Warum wirkst du bei so vielen Podcasts mit? Was fasziniert dich daran?

Spielst du auch privat Videospiele?

„Ich bin jemand, der immer schon an der Landschaft interessiert war. Angefangen habe ich mit C64, dann hin zum Amiga und dann irgendwann zum PC. Alles schön selbst verdient oder Konfirmation und Nebenjobs. Und auch jetzt habe ich alle möglichen Sachen und spiele auch sehr gerne.“

Beruflicher Werdegang von Cord Neubersch:

  • Realschule
  • Ausbildung als Krankenpfleger
  • Abitur auf dem zweiten Bildungsweg
  • Zivildienst in Psychiatrie
  • Studium: Diplom Psychologie
  • Ausbildung zum psychologischen Psychotherapeuten
  • Schreibt zusätzlich Bücher und macht Podcasts zum Thema Psychologie

Wie ist die Definition von Spielsucht oder von Sucht allgemein?

„Sucht ist ein großes Feld, das muss man ganz klar sagen. Wenn du jetzt Sucht allgemein nimmst, dann teilt man Sucht ein, in zwei verschiedene Formen. Einmal in Abhängigkeit und einmal in Missbrauch. Das ist insofern wichtig, weil das Abhängigkeits-Phänomen eine tiefgreifendere und Störungswertigere Funktion hat, während der Missbrauch in der Regel nur etwas Temporäres, also sprich, ein zeitlich eng umgrenztes Phänomen ist. Zum Beispiel bei Alkohol wäre das: Ich trinke was, habe vielleicht zu viel getrunken, habe einen Rausch, habe einen Kater. Das war dann Missbrauch. In dem Moment, wenn ich das immer mache, regelmäßig mache, kann daraus eine Abhängigkeit entstehen.“

Wie entsteht Sucht, was sind die Ursachen?

„Ich würde behaupten, das ist meine persönliche Ansicht, das vertrete ich, dass Sucht, eine Suchterkrankung, niemals die Ursache ist, sondern immer nur eine - schon eine Diagnose - aber niemals die Ursache, sondern eher eine Bewältigungsstrategie der Einzelperson, um umzugehen mit etwas, was mich eher belastet, was mich beschäftigt, womit ich nicht klarkomme im Leben. Vielleicht auch, wie du sagtest, sei es, dass ich vielleicht einsam bin, allein bin, also dass ich irgendwo einen Mangel habe. Und ich merke dieses Verhalten in den verschiedenen Suchtbereichen, wo auch immer das dann ist, lenkt mich davon ab oder gibt mir das Gefühl, etwas doch und wenn es nur temporär ist zu füllen.“

Was sind typische Symptome für eine Spielsucht?

„Bei Süchten sprechen wir von sowas wie, dass du eine Veränderung in deinem Gefühlserleben merkst. Also wenn du merkst, du wirst schneller gefrustet, du wirst schneller wütend oder bei bestimmten Dingen, da reagierst du anders. Auch wenn dein Umfeld vor allen Dingen dir das rückmeldet. Wenn dein Umfeld sagt: Hey, du hast weniger Zeit.“ – „Das ist auch eines der Hauptkriterien hier, wenn jemand in die Praxis zu mir kommt, dass dann die Person sagt, ja mein Umfeld sagt, ich soll mal zu ihnen kommen. Ja, weil das Umfeld schon sagt: Du hast dich verändert. Du bist weniger da oder reagierst plötzlich apathisch oder hast gar kein Interesse mehr, bist nur noch körperlich anwesend oder was auch immer. Das sind so Hinweise. Ich kann es selbst bei mir aber auch wahrnehmen, wenn ich plötzlich durch mein meistens vermehrtes Spielen plötzlich dann, wenn ich nicht spiele, mich anders wahrnehme.“ – „Ich nehme die Umgebung plötzlich anders wahr oder ich höre plötzlich nur noch die Geräusche. Oder ich fange an, auch nur noch die Sprache zu sprechen, die man in Spielen spricht, wie z.B. statt zu lachen sage ich lol.“ – „Egal auf welcher Sinnesebene, dass ich merke, ich bin gefühlt noch im Spiel, obwohl ich gar nicht mehr spiele.“

Meine Beobachtung ist die, dass vor allen Dingen auch im Leben eher eine Unterforderung stattfindet. Also man merkt, ich werde hier nur unzureichend befriedigt ausgefüllt und dann kommt ein Spiel, was viel größere, komplexere Dimensionen hat. Und ich merke geil, jetzt kann ich mich hier voll entfalten und man gibt da Vollgas und will natürlich nicht in diese „öde Welt“ zurück.

Vielen Dank lieber Cord, dass du dein Fachwissen und deine Einschätzung zum Thema Spielsucht mit uns teilst. Das sind wichtige Infos, die auf jeden Fall Denkanstöße geben und dem ein oder anderen auch schon eine große Hilfe sein können. Den grandiosen Sound von Max ‚Frodo‘ verdanken wir Logitech G und Blue. Wenn ihr weitere Folgen hören wollt, einfach hier entlang. Wenn ihr unbedingt einen Gast hier im Podcast haben wollt, schreibt uns oder Frodo bei Twitter mit #GameFaces und wir setzen alle Hebel in Bewegung, das möglich zu machen.


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